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« Get Together de la culture du bâti », août 2026 © Fondation Culture du bâti Suisse – photo : Conrad von Schubert

«Baukulturelles Get Together» vom August 2026 © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

31. August 2026
Nicolas Burkhalter | Baukultur persönlich

Energie als baukulturelle Aufgabe

Das Baukulturelle Get-Together 2026 nahm das Spannungsfeld zwischen Energieversorgung, Infrastruktur und Baukultur in den Fokus – und schuf wichtige Impulse für die kommende Jahrestagung «Baukultur und Energieinfrastruktur».

Dass Energie nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, ist keine neue Erkenntnis. Seit «The Limits to Growth» 1972 die Endlichkeit der Ressourcen ins öffentliche Bewusstsein rückte, begleitet die Energiefrage jede Debatte über die gebaute Umwelt. Neu ist die Dringlichkeit, mit der sie sich stellt: Der grossflächige Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel oder die wiederkehrenden Hitzerekorde in der Schweiz führen vor Augen, wie verletzlich die Versorgung ist. Solche Ereignisse zeigen zugleich, dass der Umbau der Energieversorgung Raum beansprucht, Landschaften verändert und gestalterische Antworten verlangt. Das diesjährige «Baukulturelle Get Together» vom 18. August widmete sich diesem Spannungsfeld und legte damit die inhaltliche Grundlage für die Tagung «Baukultur und Energieinfrastruktur», die am 11. und 12. November an der Hochschule Luzern stattfindet.

Vor dem Hintergrund der Energiestrategie 2050, des Pariser Klimaabkommens und der laufenden politischen Auseinandersetzungen suchte der Nachmittag bewusst das interdisziplinäre Gespräch. Eingeladen waren Fachleute aus dem dehnbaren Feld der Baubranche: Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Hand, der Planung und der Wirtschaft ebenso wie Personen aus Lehre und Forschung. Diese Breite war Programm: Die Energiewende ist keine rein technische Operation. Wo Leitungen gezogen, Speicher gebaut und Flächen beansprucht werden, entstehen räumliche, soziale und gestalterische Fragen, die keine Disziplin für sich alleine beantworten kann.

Enrico Slongo, président de la Fondation Culture du bâti Suisse, souhaite la bienvenue à l'assemblée. © Fondation Culture du bâti Suisse – photo: Conrad von Schubert

Enrico Slongo, Präsident der Stiftung Baukultur Schweiz, heisst die Anwesenden willkommen. © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

Torsten Lange, professeur de théorie de la culture et de l'architecture et directeur de l'Institut d'architecture de la Haute école de Lucerne, présente le déroulement des travaux de groupe. © Fondation Culture du bâti Suisse – photo: Conrad von Schubert

Torsten Lange, Professor für Kultur- und Architekturtheorie und Leiter des Instituts für Architektur an der Hochschule Luzern, führt die Anwesenden in die Gruppenarbeit ein. © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

In seiner Einführung holte Prof. Dr. Torsten Lange, Leiter des Instituts für Architektur der Hochschule Luzern und Dozent für Kultur- und Architekturtheorie, die Gäste beim Thema ab. Er umriss, weshalb Energieinfrastruktur als baukulturelle Aufgabe zu verstehen ist, und formulierte die Ziele des Nachmittags: die vorbereiteten Arbeitsthesen mit dem versammelten Fachwissen zu schärfen, Beispiele guter Praxis zusammenzutragen und relevante Akteurinnen und Akteure zu identifizieren.

Diskutiert wurde in einem rotierenden Format. An fünf Tischen lag je eine Arbeitsthese auf, die von einer Gruppe gemeinsam mit einer Gesprächsleitung erörtert wurde. Nach einer festgelegten Zeit wechselten die Gruppen den Tisch, während die Gesprächsleitung blieb und die bisherigen Überlegungen in die nächste Runde trug. So setzte sich jede der fünf Gruppen mit sämtlichen Thesen auseinander, und jede These wurde fünfmal geprüft, ergänzt und weitergedacht.

Les discussions se sont déroulées à cinq tables, une par thèse de travail. © Fondation Culture du bâti Suisse – photo: Conrad von Schubert

Die Teilnehmenden diskutierten an fünf Tischen zu den fünf Arbeitsthesen. © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

Les échanges ont eu lieu en groupes interdisciplinaires. © Fondation Culture du bâti Suisse – photo: Conrad von Schubert

Die Diskussionen erfolgten in interdisziplinären Gruppen. © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

Inhaltlich kreisten die Gespräche immer wieder um eine Grundfrage: Wie verträgt sich der Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Erhalt von Lebensräumen und Kulturlandschaften? Die Schweiz führt diese Auseinandersetzung derzeit exemplarisch, etwa dort, wo grosse Solaranlagen in alpinen Landschaften geplant werden und Versorgungssicherheit und Landschaftsschutz sich unversöhnlich gegenüberzustehen scheinen. Die Diskussionen am «Get Together» hielten dagegen: Beides muss sich nicht widersprechen, sofern Energieanlagen nicht als blosse Technik, sondern als Bauaufgabe verstanden werden. Das heisst: sorgfältig gesetzt, gestalterisch durchdacht und im Dialog mit dem Ort entwickelt. Aus dieser Haltung heraus wurden auch die weiteren Thesen geschärft: vom gesellschaftlich verhandelbaren Energiebedarf bis zum Transformationspotenzial bestehender Infrastrukturen.

Quer durch alle Runden zeigte sich: Die Energiefrage lässt sich nicht auf Kilowattstunden reduzieren. Sie berührt das Verhältnis der Gesellschaft zu ihren Landschaften, die Aushandlung von Bedarf und Verzicht sowie die Frage, welche Gestalt die Bauwerke der Energiewende annehmen sollen. Genau hier setzt der Anspruch hoher Baukultur an. Nicht als nachträgliche Verschönerung technischer Anlagen, sondern als Haltung, die Qualität von Anfang an einfordert.

Zum Schluss trugen die fünf Gesprächsleitungen im Plenum vor, was nach den Runden von ihrer These übriggeblieben und was dazugekommen war. Die Gruppen hörten so, wohin ihre eigenen Beiträge geführt hatten.

Restitution des résultats en séance plénière. © Fondation Culture du bâti Suisse – photo: Conrad von Schubert

Präsentation der Ergebnisse im Plenum. © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

Der Nachmittag hatte noch einen zweiten Anlass. Nach den Gesprächsrunden wurde der «Werkzeugkasten. Hohe Baukultur in der Gemeinde» erstmals der Öffentlichkeit übergeben. Die Publikation versammelt zweiundzwanzig Fallbeispiele aus allen Landesteilen und ordnet sie fünf Hebeln zu, mit denen Gemeinden ihre räumliche Entwicklung beeinflussen können: Vorausschauen, Begleiten, Vergleichen, Lenken und Partizipieren. Vom Baumemorandum in Mels über den Studienauftrag in Sion bis zur digitalen Partizipationsplattform in Walenstadt zeigt jedes Beispiel, was ein Instrument bewirkt hat, wo seine Grenzen liegen und wer vor Ort Auskunft gibt. Dass dieses Werk an einem Abend zur Energieinfrastruktur auflag, traf sich gut: Auch Leitungen, Speicher und Anlagen entstehen in Gemeinden, und auch dort entscheidet sich früh, ob Qualität mitgeplant wird oder nachträglich eingefordert werden muss. Der Werkzeugkasten ist ab sofort hier bestellbar.

Lukas Bühlmann, vice-président de la Fondation Culture du bâti Suisse, présente la «Boîte à outils. Culture du bâti pour la commune». © Fondation Culture du bâti Suisse – photo: Conrad von Schubert

Lukas Bühlmann, Vizepräsident der Stiftung Baukultur Schweiz, präsentiert den «Werkzeugkasten. Hohe Baukultur in der Gemeinde». © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

© Fondation Culture du bâti Suisse – photo: Conrad von Schubert

© Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

Zum Abschluss lud die Stiftung zum Apéro, und die Gespräche gingen weiter, nun ohne Zeitlimit und Tischwechsel. Was in den Runden angerissen worden war, wurde im Stehen weiterverhandelt: Erfahrungen aus laufenden Projekten, offene Fragen, das eine oder andere Beispiel. Die verdichteten Thesen, die gesammelten Beispiele und die benannten Akteurinnen und Akteure bilden nun den Grundstein für die Tagung vom 11. und 12. November an der Hochschule Luzern. Dort wird die Diskussion vertieft und in die Breite getragen. Jetzt zur Tagung anmelden

© Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

© Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

© Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

© Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

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